Die Deutschen trinken seit Jahren immer weniger Bier.
Wie reagieren die Brauereien?
Neben dem Einheitsbrei im deutschen Markt (2002: 1279 Brauereien) gibt es einige wenige Marken, die sich durch ein klares Markenprofil absetzen (und anders geht es ja kaum: durch das Reinheitsgebot in Deutschland schmeckt jedes Bier ziemlich ähnlich!):
- Beck’s ist es gelungen mit der Innovation „Becks Gold“ einen absoluten Gewinner zu entwickeln: neue Zielgruppen (Frauen und „Weichei-Männer“), Gebrauchsintensivierung (das erste deutsche Bier, das in der Disko als coole Alternative zu Import-Bieren durchgeht) und ein höherer Preis (am Anfang kostete der Kasten Gold 2€ mehr als das normale Becks. Mittlerweile ist es gleich) dürften der Brauerei viel Geld gebracht haben.Davon beflügelt, führten alsbald fast alle Brauereien Gold-Bier ein. Bisher hat sich ein ähnlicher Erfolg wie bei Becks aber wohl nicht gezeigt. Auch Beck’s probierte es weiter und mischt heute Bier mit Lemon (formally known as Radler), Energy Drinks und allem exotischen, was einem traditionellen Biertrinker den Schaum zurück in den Mund jagt.
- ASTRA aus Hamburg besticht durch Lokal-Patriotismus und den wohl geilsten Werbemotiven.
- OeTTINGER hat es geschafft, durch eine Niedrigpreis-Strategie zum Marktführer zu werden
- Clausthaler ist zum Synonym für alkoholfreies Bier geworden
- Plopp. Das ist das Geräusch, das jeder Bier-Trinker mit Flensburger verbindet. Herber, norddeutscher Pilsgeschmack aus der Bügelflasche!Damit setzte man ein Zeichen gegen die pickligen Gold-Plörre-Trinker.
„Setzte“.
Denn bald steht Flens nicht mehr für herben, norddeutschen Pilsgeschmack, sondern für Bier „für jeden Geschmack“ (also: für keinen!):
Weißbier, Gold-Bier, Radler und (kein Scherz) sogar Wasser wird nun schon in der Bügelflasche verkauft. Wenn man damit seinen Markenkern nicht zerstört, womit dann?
- Und dann gibts da noch Tannenzäpfle. Das Bier der kleinen Rothaus-Brauerei.
Der Bierabsatz steigt und steigt (gegen den Markttrend), ohne das irgendeine Werbung oder Rabatt-Aktionen gefahren werden. Die Geschäftsleitung wehrt sich nicht gegen Mehrabsatz, aber „wir forcieren es auch nicht“, wie bei Spiegel zu lesen ist. Was hat Tannenzäpfl, was andere nicht haben? Es hat sich ein Kult um die Marke aufgebaut, der möglich wurde, weil vielleicht nur einer Sache anders ist als bei anderen Bieren: Bei Tannenzäpfle denke ich immer an die einzigartige Flaschenhals-Ummantelung (keine Ahnung wie das heißt)…
Ich bin gespannt, was abgeht, wenn die US-Marken wie Budweiser und Miller in Deutschland einmarschieren. Die haben Marketing drauf. Und es soll keiner sagen, die Plörre trinkt keiner in Deutschland: Gold-Trend und Diät-Wahn sind meiner Meinung nach die besten Vorraussetzungen für Light-Bier. Und man gewöhnt sich dran…
(inspiriert vom Besserwerber-Blog)
Update 16.03.07:
Laura Ries beleuchtet dasselbe Problem am Beispiel von Miller Bier.