
Das Thema „China & Branding“ scheint in aller Munde zu sein.
Die letzte w&v berichtet ausführlich über die Chancen und Risiken der chinesischen Marken und auch Laura Ries beleuchtet seit dieser Woche das Thema näher. (Lesenswert!!)
China’s Problem ist, dass sie zwar zu einer gewaltigen Wirtschaftsmacht angewachsen sind, diese Stärke jedoch nur auf einem Standbein steht: Sie sind billig. Wie überall im Wirtschaftsleben ist auch auf volkswirtschaftlicher Ebene ein solcher Preisfokus als einziges Unterscheidungsmerkmal (USP) nicht empfehlenswert.
Das Preis-Problem: Sobald ein anderes Land billiger ist, bricht China’s Wirtschaft zusammen. Den westlichen Herstellern ist es egal, wo die Ware produziert wird, solange der Preis die einzige Orientierung ist.
Die Lösung: Unterscheidungsmerkmale finden, die weniger leicht zu kopieren sind. Sei es hinsichtlich Infrastruktur (z.B. Deutschland), Qualität (z.B. Japan), Fachwissen (IT-Indien) oder was auch immer.
Oder eben Branding. Durch das „Markieren“ ihrer Produkte kann China Vertrauen bei Partnern und Endkunden aufbauen, die sich dann zweimal überlegen vom altbekannten und bewährten aus China auf etwas neues aus Usbekistan umzusatteln.
Südkorea (Samsung, Hyundai, Sanyo) und Japan (Honda, Sony, Toyota) haben diesen Schritt mehr als erfolgreich gemacht. Die Amerikaner sind in der Markenführung spitze, wie der Blick auf die erfolgreichsten Marken zeigt.
So wie ich die aktuelle Berichterstattung verstehe, hat China sein Problem erkannt und wird de sicher entgegen wirken. Selbst wenn es ihnen erstmal nur gelingt ihre Marken im eigenen Land zu etablieren, wäre dies sicher schon ein großer Vorteil gegenüber westlichen Marken, die nämlich genauso viele Hausaufgaben machen müssen, um sich auf dem chinesischen Markt zu etablieren.
Wie ein solches Branding optimalerweise aussieht zeigt Laura Ries sehr schon an der Computermarke Lenovo (die 2005 IBM in China geschluckt haben). Sehr lesenswert!!!
Anmerkung: u.a. schlägt Laura vor, den Namen Lenovo in IBMs „ThinkPad“ umzunennen. Während dies sicher durch ihre US-amerikanische Sicht beeinflusst ist (würde ein deutscher Berater einen Markennamen mit „th“ empfehlen?), steht dies außerdem im Gegensatz zu Lenovos aktuellen Plänen: w&v zitiert Unternehmenssprecher, dass sie die Marke IBM bald verschwinden lassen wollen und sich voll auf „Lenovo“ konzentrieren.
PS: Diese Woche haben wir die Tickets nach China gebucht. Ich freue mich dieses Land in dieser Phase im September mit eigenen Augen zu sehen!
