Simplizisimus: Ein Preis für alles.

By kaestner

Matthias beschwert sich in seinem Blog beim RMV, dass er für seine Monatskarte eigentlich zu viel bezahlt, weil er nur 5 Tage die Woche fährt, aber 7 bezahlt. Warum gibt es kein auf seine Bedürfnisse abgestimmten „Arbeitswochen“-Tarif?

Prinzipiell stimmt seine Rechnung natürlich absolut. Und im Sinne des Long Tails, wo n=1 ist, sollte man natürlich versuchen jedem den individuellsten Tarif zu bieten (auch wenn hier neben Matthias ca. 1 Mio andere Frankfurter Pendler diesen Tarif nutzen würde!).

Kaufbarriere „Große Auswahl“.

Trotzdem vertrete ich die exakte Gegenmeinung: Was die Bahn, RMV & Co. braucht sind nicht mehr, sondern wesentlich weniger Tarife.

Der absolut wirre Tarifdschungel ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe, warum Menschen nicht mit der Bahn fahren und auch für das Imageproblem der Öffentlichen.

Heutzutage kann doch kein Mensch (nicht mal die Bahnangestellten) mit Sicherheit sagen, was genau ein Ticket kostet und ob das dann tatsächlich der beste Preis ist.

Der Preis ist abhängig von Ticketart, Buchungsort (Schalter (+Kompetenz der Serviceperson), Reisebüro, Online), Vergünstigungen, Frühbucher, Ziel, Abfahrtsort, Wochentag, Zeit zwischen Hin- und Rückreise, Bahncard ja oder nein.
Das macht Angst.
Stellt sich im Nachhinein heraus, dass man zuviel bezahlt hat…
Naja. So jemand nimmt das nächste mal das Auto.
Und da ist es ganz einfach:

x km * y Liter zum Preis von z = Fixpreis.

Ich wünsche von der Bahn ein absolut simples Preismodell.
Kein Pauschalpreis für alle Strecken, aber so, dass man aus dem Gedächtnis alle Optionen aufzähen könnte.

Ja, manche werden dadurch benachteiligt.
Andere bevorteilt.
Ja, warum soll ich für etwas zahlen, was ich eigentlich nicht nutze.
Andere können quasi mehr für dasselbe Geld nutzen.

Mit Einfachheit zum Erfolg.

Unterm Strich zeigt ein Blick auf aktuelle Entwicklungen, dass in der Masse ein einfaches Preissystem die Basis für langfristigen Erfolg und zufriedene Kunden ist. Wer genau weiß, was ihn erwartet, benötigt weniger Energie bei der Kaufentscheidung und wird so leichter zum Kunden.

Erfolgsbeispiele mit einfachsten Preismodellen:

  • Base: Die Handyflatrate. Ein Festpreis für alle Gespräche egal wann und welches Netz.
  • DSL- und Festnetz-Flatrates. Der Breitbandmarkt boomed v.a. durch das Flatrateangebot, da hier ein Preis steht und keine variablen Zusatzkosten überprüft werden müssen.
  • e-Plus: Zehnsation. Ein Preis (10cent) rund um die Uhr und überall hin, statt bis 18h zu warten, und hoffen dass der Gegenüber dasselbe Netz hat.
  • Condor: „Kurzfliegen ab € 29. Langfliegen ab € 99.“ Führte nach Einführung zu wahrem Umsatzboom.
  • Aldi („gestern“): Je Produktkategorie gibt es ein Produkt zu einem Preis (und zwar der branchenniedrigste). Nimm es oder lass es. Reduziert den Energieverbrauch beim Einkaufen enorm und steigert die Zufriedenheit.
    (Ist heute aber leider auch nicht mehr so…)
  • Netflix / Amazon: DVDs leihen. Ein fester monatlicher Beitrag, unabhängig wieviel DVDs tatsächlich ausgeliehen werden und wie lange man sie behält
  • McDonalds: Jedes Menü x Euro, egal welcher Burger und Beilage. Und dann noch das „1 Euro Menü“. 11 unterschiedliche Produkte zum selben Preis.
  • Flatrate-Partys: So erfolgreich, dass sie verboten werden müssen.

In diesem Sinne

Beim Auschecken im Hotel:
„…und 50 € für die Minibar“ fordert der Hotelier.
„Was? Ich habe die Minibar doch gar nicht benutzt!!“ echofiert sich der Gast.
„Aber sie hätten es gerne tun können!“

Der Mann überlegt eine Zeit lang…

„Dann kriege ich 100 Euro von ihnen!“ verlangt der Gast und hält die offene Hand hin.
„Wieso das denn?“
„Weil sie mit meiner Frau geschlafen haben“
„Das verbitte ich mir! Ich habe NIE mit ihrer Frau geschlafen!“
„Aber sie hätten es gerne tun können.“

2 Antworten zu „Simplizisimus: Ein Preis für alles.“

  1. derLück sagt:

    Heehee,

    und doch gibt es so viele, die auf Bazaaren und Flohmärkten einen Riesenspass daran haben, echt „individuelle“ Preise rauszuschlagen…

    Gruß!

    „Bist du erster Kunde heute, mach ich guten Preis!“ – „Ich brauch das nicht!“ – „Dann ich gebe nochmal für halben Preis…“

  2. kaestner sagt:

    Und da liegt der Unterschied: Wer kauft schon zweimal beim selben Bazarhändler?
    ;-)

    Anderes Beispiel für einheitliches Preissystem: Studiengebühren.
    Ach ne… is ja nich mehr..
    :-P
    (Tschuldigung, Lück)

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